Sonntag, 22. Oktober 2017

Bergman Reihe : Sommarlek (Einen Sommer lang) SE 1951


Während der Generalprobe zu Schwanensee wird ein Päckchen für die Ballettänzerin Marie (Maj-Britt Nilsson) abgegeben. Es enthält das Tagebuch ihrer Jugendliebe Henrik (Birger Malmsten). Marie ist aufgewühlt, was jeder im Ensemble spürt. Nachmittags trifft sie sich mit ihrem Freund David, dem Reporter (Alf Kjellin). Eigentlich sind sie für den Abend verabredet, doch Marie muß zur Probe. Sie streiten darüber, dass bei beiden nur noch ihre Arbeit im Vordergrund steht. Am Hafen fällt Marie Henriks Tagebuch runter. Sie trifft auf den Pastor (Gunnar Olsson), der sie von früher kennt und der noch schnell die Fähre erwischen möchte. Marie betritt auch die Fähre, die sie zu der Insel bringt, auf der sie ihre Jugend verbracht hat. Auf der Insel sieht sie in schwarz gewandet Henriks Tante (Mimi Pollak) an ihr vorbeigehen. Sie geht zu dem kleinen Badehaus, wo sie sich an die Zeit vor 13 Jahren zurück erinnert. Bei der Frühlingsaufführung der Balletschule wartet Henrik auf Marie, in Erwartung sie anzusprechen. Auf der Fähre sitzt er neben ihr und sie kommen ins Gespräch. Er gesteht ihr, dass er sie schon oft gesehen hat und dass er auf der gleichen Insel wie sie den Sommer verbringt. Bald lernen sie sich beim Baden noch näher kennen. Die Unbeschwertheit zwischen ihnen wird ein wenig von Henriks Vergangenheit und der Beziehung zu seiner Tante überschattet. Marie erinnert sich zurück, wie ihr reicher Onkel Erland (Georg Funkquist) zu Besuch kam, ihr ein teures Armband schenkte und immer wieder mit ihr flirtete, was sie abtat, ihr aber auch schmeichelte. Sie trifft sich mit Henrik, der aber eifersüchtig auf Erland ist. Henrik und Marie erleben einen wunderschönen Sommertag, der sie Abends zu Maries Mutter (Renée Björling) und ihrem Onkel führt, der betrunken Klavier spielt und eine frühere Beziehung zu Maries Mutter andeutet. Marie und Henrik verbringen die Nacht in Maries Balletzimmer. Die Tage darauf verbringen beide eine wunderschöne Zeit miteinander, wie sie sich zurückerinnert. Als Marie das Haus aufsucht, wo sie früher gewohnt hat, trifft sie auf Erland, von dem sie erfährt, dass er ihr das Tagebuch von Henrik hat zukommen lassen. Sie verläßt die Insel mit der abendlichen Fähre und fährt zurück aufs Festland. Auf der Fähre schweifen ihre Gedanken wieder zurück in die Vergangenheit. Henrik besucht Marie und ist eingeschnappt, dass sie weniger Zeit für ihn hat, da sie ständig zu Hause fürs Ballet probt. Des Abends besucht sie Henrik zum ersten Mal bei seiner Tante, die draußen mit dem Pastor Schach spielt. Die Tante erzählt, dass sie Brustkrebs hat und alle überleben wird, auch Henrik. Am Abend wollen Henrik und Marie tanzen gehen, doch sie beschließen es sich im Badehaus gemütlich zu machen. Sie bleiben die ganze Nacht wach. 3 Tage bleiben ihnen noch bevor Marie wieder aufs Festland muß. Am nächsten Morgen beim Schwimmen verunglückt Henrik und stirbt kurz darauf im Krankenhaus.In ihrer Trauer nimmt sich Onkel Erland ihrer an und sagt, dass er ihr zeigen werde, wie man "Mauern um sich herum aufbaut". Marie erinnert sich, wie sie in den darauffolgenden Wochen immer verschlossener wurde und Henrik immer mehr vergaß. Zurück im Opernhaus kommt nach der abendlichen Probe der Balletmeister (Stig Olin) zum Abschminken zu ihr. Er und Marie sinnieren über die Vergänglichkeit und das Schauspiel. Sie werden gestört von Maries Freund David. Marie will sich von David trennen. Sie nennt ihn versehentlich Henrik. David wundert sich und sie gibt ihm Henriks Tagebuch damit er sie besser verstehe. Marie betrachtet sich im Spiegel während sie sich abschminkt und beschließt nicht mehr länger zu trauern. Bei der nächsten Probe wartet David auf sie genauso wie Henrik damals auf sie wartete.

Den antikommunistischen Propagandafilm Sånt händer inte här aka Menschenjagd, den Ingmar Bergman am liebsten aus seinem Gedächtnis gestrichen hätte und den er chronologisch nach Sommarlek für Svensk Filmindustri drehte, haben wir ausgelassen. Vor allem weil ich ihn auch nirgendwo auftreiben konnte. Bergman selbst nannte Sommarlek, dessen Drehbuch er zusammen mit Herbert Grevenius verfasste und auf einem Skript beruht, dass Bergman schon 1945 schrieb, einen der ersten Filme bei dem er zu einem eigenen Stil fand. 
Dieser Aussage konnten wir uns nicht unbedingt anschließen. Formal ist Sommarlek tatsächlich sehr schön geraten. Besonders wie sich die Inszenierung in den Charakteren wiederspiegelt, auch wenn sie oft ein wenig unbeholfen und aufdringlich symbolisch wirkt, ist Sommarlek ein Film, der auch einiges von dem Potential was in ihm schlummert verschenkt und auf seltsame Art unausgeglichen wirkt. Es ist ein Film, der eine Tiefe vorgibt, die er nie erreicht und ganz besonders auf das Ende gesehen, einiges ausblendet. 

Es ist ein Film, der in zwei Teile fällt. Die der Gegenwart und die der Vergangenheit bzw. Maries Rückblicke in die Vergangenheit. 

Der Rückblick, also der Sommer, der gezeigt wird ist das wahre Glanzstück des Films. Mit zwei Hauptdarstellern, die in jeder Hinsicht die pure Lebensfreude vermitteln, die auch immer in der Inszenierung sich überträgt. Das ist frisch, magisch und wunderbar. Besonders wie hier wieder eine unglaublich tolle Maj-Britt Nilsson, zusammen mit Birger Malmsten aufspielt ist in der Tat zeitlos und fast könnte man die Begeisterung, die Jean-Luc Godard damals für diesen Film empfand teilen. Aber der Film schafft es nicht dies mit der Gegenwart zu verbinden, auf der immer eine eher behauptete Pseudo-Tragik liegt. 

Zu Beginn läßt sich der Film sehr viel, zu viel Zeit und baut eine Stimmung auf, die er nicht einlöst und auch nicht einlösen kann. Auffallend ist die expressive Inszenierung, die Bergman mit Gunnar Fischer in die Gegenwart legt, die einerseits auch schon die traumhafte Atmosphäre der Filme Ende der 50er enthält, hier aber immer sehr überinszeniert wirkt. Man kann förmlich sehen, wie dies ins prätentiöse kippt ebenso wie man merkt, dass Bergman sehr viel Wert auf inszenatorische Ideen und Kameratricks gelegt hat, die aber sehr selbstzweckhaft sind. Gerade bei den Überblendungen gibt es Szenen, die allein nur wegen des Bildes zusammen gehen. Das Drama der Gegenwart, Maries Abschottung vom Leben, die unheilsschwangere Beziehung zu ihrem Onkel wird in bedrohlichen Bildern immer nur angerissen und behauptet. Die Reflexion mit dem Balletmeister Stig Olin am Ende hat man in so vielen, just später folgenden Filmen so viel dichter gesehen und Maries sich vergegenwärtigen im Spiegel verpufft, da ihr Drama innerhalb des Films nur suggeriert wird. 

Die symbolische Funktion von Henriks Tante dagegen, die in der ersten Szene, als Marie auf die Insel zurückkehrt, ist sehr atmosphärisch. Es ist eine kurze Szene, die symbolisch auf etwas verweist, was wir noch nicht wissen, aber schon auf die kommenden tragischen Ereignisse verweist und in der Form des Todes, die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet.


Als sie zum zweiten Mal auftaucht inszeniert Bergman dies weniger bedrohlich, fast schon wie eine Komödie. Sie sitzt draußen und spielt mit dem Pastor Schach und trinkt Portwein. Aber auch in dieser Szene ist ihre Erscheinung wie ein Bote, der auf folgende Ereignisse verweißt, in dem sie sagt, dass sie alle überleben wird. So kann man von der Figur, die Mimi Pollak hier spielt, definitiv von einem Vorläufer des Todes in Bergmans Det sjunde inseglet sprechen.


Kurz danach gibt es dann eine Ausbruchsfantasie, die vielleicht mit zum erstaunlichsten des gesamten Films gehört. 
Henriks Geschichte, der Ausbruch aus diesem Leben bei seiner Tante, die ihn verachtet zeichnet er am Abend im Zusammensein mit Marie als kindlich, naive aber auch brutale Fantasie, in Form eines kleinen Cartoons. 

Im Gegensatz zu den expressiv dunklen Szenen der Gegenwart fügt sich diese Szene in die Sommerrückblende perfekt ein und das hat etwas mit der unglaublichen Frische und ja auch Poesie dieses größten Teil von Sommarlek zu tun. Ein Film, der wie in zwei Teile zerfällt. Insofern ist Sommarlek nicht ganz geglückt aber es ist dennoch ein Film, von dem ein kleiner Zauber aus geht. 

6-7/10 


Freitag, 20. Oktober 2017

Bergman Reihe : Till glädje (An die Freude) SE 1950


Der junge Violinist Stig Eriksson (Stig Olin) erhält während einer Orchesterprobe einen Anruf und eilt daraufhin schnell nach Hause. Bei der Explosion eines Petroleumkochers zu Hause ist seine Frau Marta (Maj-Britt Nilsson) schwer verletzt worden und auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Seine Tochter ist ebenso mit Verletzungen eingeliefert worden doch geht es ihr wohl gut. Stig bricht zusammen und auf einer Tafel wird der Rücklblick freigegeben. 7 Jahre zuvor. Stig und Marta sind die zwei Neuen im Orchester von Helsingborg, welches geleitet wird vom Dirigenten Sönderby (Victor Sjöström). Sie kennen sich schon von früher von der Akademie. Marta lädt Stig zu ihrer Geburtstagsparty ein und bittet ihn vorher zum Friseur zu gehen. Auf der Straße trifft Stig auf Marcel (Birger Malmsten), auch aus dem Orchester, der ihm erzählt, dass er und Marta früher etwas miteinander hatten. Abends geht er zu Martas Party und betrinkt sich. Er wird laut und gibt seine künstlerische Eitelkeit in betrunkenem Zustand preis. Marta kümmert sich um ihn. Der Herbst kommt und Stig und Marta verbringen viel Zeit miteinander. Sie verlieben sich. Marta möchte Familie und Stig ist dem zwar nicht abgeneigt, möchte aber an erster Stelle Karriere machen. Sie ziehen zusammen und wollen schon bald heiraten.  Orchesterleiter Sönderby soll ihr Trauzeuge sein. Als dieser den Termin vergessen hat, fällt Marta in Ohnmacht. Später erzählt Marta Stig, dass sie schwanger ist. Stig ist schockiert und will davon nichts wissen. Er versucht Marta zu erklären, dass er keine Kinder will und fühlt sich in seiner Arbeit als Künstler bedroht. Als Marta die Hochzeit absagen will und zu weinen anfängt, beschwichtigt Stig sie und lenkt ein. Stig und Marta heiraten mit Sönderby als Trauzeuge. Für Stig ergibt sich die Gelegenheit sein Können als Solist unter Beweis zu stellen. Doch während der Rundfunkaufnahme vermasselt er es. Die Zeitungskritik am nächsten Tag ist verherend doch kann Stig die Schuld daran nicht seinem egoistischen Selbst geben, er macht dafür seine Frau und Sönderby verantwortlich. Marta versucht ihn zu beruhigen und sagt, dass es zu weit immer einfacher ist. Doch Stig will von solchen Sentimentalitäten nichts wissen, wie er sagt und entgegnet, dass er immer allein sei und geht spazieren. Auf der Straße trifft er auf den Intelektuellen Mikael (John Ekman), der ihm auf Martas Party schon von seiner Frau Nelly (Margit Calqvist) erzählt hat. Stig geht zu ihm nach Hause. Eine kleine Wohnung, dreckig und lauter leere Flaschen liegen dort herum. Die junge Nelly findet Gefallen an Stig, doch er weißt sie ab, ist aber dennoch von ihrer Attraktivität beeindruckt. Draußen trifft er auf Marta. Sie entdeckt Lippenstift an seinem Hals und Stig erklärt, dass die seltsame Nelly ihn küssen wollte. Martas Wehen werden schlimmer und Stig bringt sie ins Krankenhaus. Zuvor sagt er ihr, dass es ihm nicht gut gehe. Bei der nächsten Orchesterprobe erhält Stig die Nachricht, dass Marta Zwillinge geboren hat. 3 Jahre später. Stig und Marta wohnen auf dem Land und erleben den Sommer mit Sönderby. Es ist eine recht idyllische Zeit. Bei einer Orchesterprobe erhält Stig Besuch von Nelly mit der er mittlerweile eine Affäre hat. Stig will nicht in der Öffentlichkeit mit Nelly gesehen werden. Sie gehen in Mikaels Wohnung, wo mittlerweile auch Marcel wohnt, der Nelly auch gerne für sich hätte. Stig kommt in der Nacht nach Hause und bittet Marta so schnell es geht wieder in die Stadt zu ziehen. Als Marta und Stig wieder in der Stadt wohnen ist ihre Beziehung von andauerndem Streit geprägt. Stig ist angewidert von der Rolle des Ehemanns und auch von seiner Frau. Des Nachts kommt es zur Auseinandersetzung bei der Stig auf Marta einschlägt. Marta zieht mit den Kindern zu ihrer Großmutter. Mikael hat einen Herzinfarkt erlitten, macht aber Nelly für seinen Zustand verantwortlich. Nelly erzählt von ihrer selbstzerstörerischen Beziehung zu Mikael und von ihrer Abhängigkeit zu ihm. Stig verläßt die Wohnung und sagt Mikael, dass er nie wiederkommen wird und dass nur Marta ihn retten kann.
Sie nehmen beide Briefkontakt zueinander auf und versuchen einen Neuanfang. Sie ziehen wieder zusammen. Als Marta mit den Kindern zur Großmutter fährt, passiert der tödliche Unfall. Stig eilt zurück zur Probe. Sönderby möchte ihn freistellen, doch Stig hält es für besser zu spielen. Nach einer kurzen Ansprache von Sönderby ziehen während des vierten Satzes der 9. Sinfonie von Beethoven  noch einmal Bilder der gemeinsamen Vergangenheit vor Stigs Augen vorüber, während sein Sohn ihm andächtig zu sieht und hört.

Seit langer Zeit gibt es hier mal wieder einen Blog Eintrag innerhalb unserer Bergman Reihe, die Andreas und ich vor 4,5 Jahren mit Törst  starteten.
Das diese Reihe mittlerweile so lange dauert, hat viele, vorwiegend private Gründe aber es ist auch so, dass dieser Blog auch nie darauf angelegt war ihn stetig mit Inhalten zu füllen. So viel in eigener Sache.

Es ist oft zu lesen, dass Ingmar Bergman hier, wie schon im vorherigen Törst seine zweite Ehe mit Ellen Lundström verarbeitete. Till glädje ist auch der erste von zwei Filmen, in denen Bergman Victor Sjöström besetzte, zu dem er auch privat eine freundschaftliche Beziehung hatte. Allerdings ist es vor allem die Rolle der Marta, gespielt von Maj-Britt Nilsson, die über viele nicht sehr gelungene Teile des Films hinweg hilft. Es ist auch ihre Rolle, die man im Gegensatz zu den anderen nicht als vage beschreiben könnte.
Bergman zeigt hier einen Künstler in seinem Narzissmus, seinem Ehrgeiz, seinem Egoismus und besonders in seiner Zerrissenheit. Stig ist ein Musiker, der meint, dass er zu etwas höheren streben müßte aber aus seiner Mittelmäßigkeit nicht herauskommt. Eigentlich ist er ein Popanz, ein jämmerlicher Waschlappen.
Die Unvereinbarkeit des narzistischen Künstlers und dem Familienleben könnte man hier auch als Szenen einer Ehe in "leicht" beschreiben.
Da gibt es dann auch durchaus starke Szenen, die einiges vorwegnehmen, wie zb. die nächtliche Aussprache zwischen Stig und Marta oder die Szene als Stig, während Marta zur Entbindung ins Krankenhaus muß, allein zu Hause ist :



Die Zerrissenheit von Stig wird auch in den Szenen bei Mikael deutlich. Einerseits sehnt er sich nach diesem "anderen Leben", gleichzeitig ist er aber auch angewidert von der Beziehung, die Mikael und Nelly führen. Die Komplexität der Psychologie späterer Bergman Filme, wird hier allerdings nur gestreift und der Film bewegt sich vorwiegend in den Bahnen eines letzlich belanglosen Melodramas.
Die Figur von Sjöström als Freund und Mentor ist ebenso vage und dubios wie die Figur des Cellisten, die Birger Malmsten spielt, dessen Funktion als Teil des "anderen Lebens" zwar gestreift aber nie wirklich ausformuliert wird. Im Vergleich dazu die Sehnsucht nach einem anderen Leben in Skepp till Indialand.
Dazu kommt eine recht holprige Dramaturgie und ein merkwürdiger Einsatz eines Off Komentars, dessen Funktion sich nicht wirklich erschließt.
Stig Olin, der bislang bei Bergman in Nebenrollen zu sehen war, wo er auch immer den Unsympathen gab, ist in der Hauptrolle als narzisstischer Egoist, der Angst vor der Bindung und vor dem Leben hat, eigentlich keine schlechte Besetzung. Doch der Film und das Drehbuch ist darauf angelegt, dass der Film eine gewisse Fallhöhe erreicht und den Zuschauer durch die Tragik der Ereignisse mitreißt. Was der Film aber nur zu einem Bruchteil schafft. Für ein Melodram ist Stig Olin eine Fehlbesetzung, da seine Figur keinerlei Sympathie in irgendeiner Art und Weise weckt. Bergmans Nahaufnahme des Narzissmus und Egoismus besonders im Zusammenspiel mit der wunderbaren Maj-Britt Nilsson läßt jedoch einiges an Szenen zu, die gelungen auf spätere Diskrepanzen zwischen Mann und Frau innerhalb des Werks verweisen.
Im Gegensatz zu Andreas würde ich Till glädje nicht als misslungen betrachten aber es ist ein Film, der ebenso zerrissen ist, wie seine Hauptfigur. Einer der starke Szenen entählt, aber in sich kein stimmiges Bild ergibt. Wo zuviel angerissen wird und zu wenig auf den Punkt inszeniert ist. Ein Film, der nicht ganz zusammenpassen will. Man spürt, dass hier mehr drin gewesen wäre.

5/10

Sonntag, 6. August 2017

Juni + Juli 2017 : Alle Filme

Nach 2 Monaten Sommerloch, hier nun mal wieder 2 Monatslisten im Short Cuts Totale Blog.
Ein wenig John Woo, ein wenig Susan Seidelman, ein wenig Action-Testosteron Kino, ein wenig 9/11 Kino, ein wenig U-Boot Krieg, ein wenig Piratenfilm, ein wenig George Cukor und Don Siegel und viele Looney Tunes & Merrie Melodies Cartoons von Tex Avery.
Reviews zu einigen Filmen, wie immer im letterboxd Profil unter Reviews.


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, großartig, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 ok, mit Momenten
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
(Kino) = im Kino gesehen
(short) = Kurzfilm

Juni
Ying hung boon sik (A Better Tomorrow) 1986 (John Woo) 10/10 *
Clueless 1995 (Amy Heckerling) 9/10 *
Smithereens 1982 (Susan Seidelman) 6/10
Desperately Seeking Susan 1985 (Susan Seidelman) 5/10
Cookie 1989 (Susan Seidelman) 8/10
Ying hung boon sik II (A Better Tomorrow II) (John Woo) 6-7/10 *
Ying hung boon sik III: Zik yeung ji gor (A Better Tomorrow III : Love and Death in Saigon) 1989 (Tsui Hark) 8/10
Die xue jie tou (Bullet in the Head) 1990 (John Woo) 9/10 *
McBain 1991 (James Glickenhaus) 4/10
The Expendables 2010 (Sylvester Stallone) 6/10 *
The Expendables 2 2012 (Simon West) 3/10
The Expendables 3 2014 (Patrick Hughes) 4/10
Cover Up 1991 (Manny Coto) 2/10
Eraser 1996 (Charles Russell) 4/10
Domino 2005 (Tony Scott) 6-7/10
Spy Game 2001 (Tony Scott) 5/10
Body of Lies 2008 (Ridley Scott) 5/10 *
United 93 2006 (Paul Greengrass) 7/10
World Trade Center 2006 (Oliver Stone) 2/10
Looking for Fidel 2004 (Oliver Stone) 6/10
Persona Non Grata 2003 (Oliver Stone) 5/10
Captain Phillips 2013 (Paul Greengrass) 7/10
Zero Dark Thirty 2012 (Kathryn Bigelow) 9/10 *
Redacted 2007 (Brian De Palma) 6/10
Non essere cattivo (Tu nichts Böses) (Kino) 2015 (Claudio Caligari) 7/10
The Hunt for Red October 1990 (John McTiernam) 7/10 *
Suburra 2015 (Stefano Sollima) 7/10
Der traumhafte Weg 2016 (Kino) (Angela Schanelec) 8/10
K-19 : The Widowmaker 2002 (Kathryn Bigelow) 5/10 *
Run silent, Run deep 1958 (Robert Wise) 6/10
The Sand Pebbles 1966 (Robert Wise) 7/10
Detektive 1969 (Rudolf Thome) 7-8/10
Rote Sonne 1970 (Rudolf Thome) 8/10
God told me to 1976 (Larry Cohen) 9/10 *
Deep Blue Sea 1999 (Renny Harlin) 8/10
Snakes on a Plane 2006 (David R. Ellis) 3/10
Alligator 1980 (Lewis Teague) 7/10
The Beguiled 2017 (Kino) (Sofia Coppola) 5/10
The Beguiled 1971 (Don Siegel) 9/10 *
Edge of Eternity 1959 (Don Siegel) 7/10
The Lineup 1958 (Don Siegel) 10/10
Don´t look now (short) 1936 (Tex Avery) 8/10
Psycho 1960 (Alfred Hitchcock) 10/10 *
The Seven Year Itch 1955 (Billy Wilder) 9/10 *

Juli
Bridget Jones´s Baby 2016 (Sharon Maguire) 4/10
The Village Smithy (short) 1936 (Tex Avery) 7/10
Milk and Money (short) 1936 (Tex Avery) 8/10
Red Hot Riding Hood (short) 1943 (Tex Avery) 10/10 *
Little Rural Riding Hood (short) 1949 (Tex Avery) 9/10 *
Ghostbusters 1984 (Ivan Reitman) 7/10 *
Believe it or else (short) 1939 (Tex Avery) 6/10
Land of the Midnight Fun (short) 1939 (Tex Avery) 8/10
Hamateur Night (short) 1939 (Tex Avery) 8/10
Ghostbusters 2016 (Paul Feig) 4/10
The Silence of the Lambs 1991 (Jonathan Demme) 10/10 *
Far from the Madding Crowd 2015 (Thomas Vinterberg) 5/10
Rebecca 1940 (Alfred Hitchcock) 9/10 *
Notting Hill 1999 (Roger Michell) 3/10 *
Sunset Boulevard 1950 (Billy Wilder) 10/10 *
What Price Hollywood ? 1932 (George Cukor) 8/10
24 Hour Party People 2002 (Michael Winterbottom) 7-8/10 *
Girls about Town 1931 (George Cukor) 9/10
Control 2007 (Anton Corbijn) 6-7/10 *
A Star is Born 1937 (William A. Wellman) 8/10
A Star is Born 1954 (George Cukor) 7/10
Rabbit Hood (short) 1949 (Chuck Jones) 6/10
Robin Hood Daffy (short) 1958 (Chuck Jones) 5/10
The Adventures of Robin Hood 1938 (Michael Curtiz, William Keighley) 8/10 *
Wonder Woman (3D) (Kino) 2017 (Patty Jenkins) 7/10
Joy Division 2007 (Grant Gee) 8/10
Captain Blood 1935 (Michael Curtiz) 7/10 *
The Sea Hawk 1940 (Michael Curtiz) 6/10 *
Anne of the Indies 1951 (Jacques Tourneur) 10/10
Cuttthroat Island 1995 (Renny Harlin) 6/10
The Flame and the Arrow 1950 (Jacques Tourneur) 8/10
Valerian and the City of a Thousand Planets (3D) (Kino) 2017 (Luc Besson) 5-6/10



Montag, 5. Juni 2017

April & Mai 2017 : Alle Filme

Die letzten 2 Monate waren vor allem durch kleine Reihen geprägt. Im April ausgehend, von ein paar Filmen von D. W. Griffith, dessen "Birth of a Nation" ich mir ansehen wollte, bevor der mit gleichem Titel versehene Film von Nate Parker in die Kinos kommt. Nach einer Woche war der Film sofort wieder aus den Kinos verschwunden. Eventuell werde ich Parkers Sklavendrama an anderer Stelle nachholen. Den Griffith Film habe ich nicht gewertet, da ich es äußerst schwierig finde, einem Film gerecht zu werden, der einerseits die Geburtsstunde des Kinos darstellt und formal sowie dramaturgisch ein echtes Meisterwerk ist aber auf der anderen Seite ideologisch so fragwürdig, so rassistisch und revisionistisch. Weiter ging es mit einigen "John Ford" Filmen, wo ich immer das Gefühl hatte, ich müßte jetzt das ganze Werk sofort sichten und enden tat der April mit einer kleinen Reihe von "Anthony Mann" Western.
Der Mai war dann vor allem durch Filme des Japaners "Kiyoshi Kurosawa" geprägt, sowie von den subversiven B-Pictures eines "Larry Cohen".
Nun denn. Hier also mal wieder mein letterboxd Diary in Blogform. Kleine Reviews findet man, wie immer, bei letterboxd.

10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, großartig, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 ok, mit Momenten
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
(Kino) = im Kino gesehen
(short) = Kurzfilm

April


Loving 2016 (Jeff Nichols) 7-8/10
Jungle Fever 1991 (Spike Lee) 7/10
Moonlight (Kino) 2016 (Barry Jenkins) 8-9/10
Letyat zhuravli (Wenn die Kraniche ziehen) 1957 (Mikhail Kalatozov) 7-8/10
Ikiru 1952 (Akira Kurosawa) 10/10 *
Life (Kino) 2017 (Daniel Espinosa) 7/10 
The Birth of a Nation 1915 (D. W. Griffith) (keine Wertung)
Broken Blossoms 1919 (D. W. Griffith) 10/10
Chi-Raq 2015 (Spike Lee) 8/10
I am not your Negro (Kino) 2016 (Raoul Peck) 7-8/10
Way Down East 1920 (D. W. Griffith) 10/10
Go West 1925 (Buster Keaton) 9/10
The Navigator 1924 (Buster Keaton & Donald Crisp) 10/10
Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem 1993 (Helge Schneider & Ralf Huettner) 8/10 *
Shun liu ni liu (Time and Tide) 2000 (Tsui Hark) 10/10 *
Mauvais Sang (Die Nacht ist jung) 1986 (Leos Carax) 10/10 *
3 Bad Men 1926 (John Ford) 10/10
Sunset Song 2015 (Terence Davies) 9/10
The iron Horse 1924 (John Ford) 9/10
Midnight Special 2016 (Jeff Nichols) 7/10 *
Stagecoach 1939 (John Ford) 10/10 *
How Green was my valley 1941 (John Ford) 10/10
Exodus : Gods and Kings 2014 (Ridley Scott) 4/10
Westward the Women 1951 (William A. Wellman) 10/10
The Ox-Bow Incident 1943 (William A. Wellman) 9/10
Shane 1953 (George Stevens) 8/10
Pale Rider 1985 (Clint Eastwood) 9/10 *
Tom Horn 1980 (William Wiard)8/10
The Assassination of Jesse James by the coward Robert Ford 2007 (Andrew Dominik) 6/10
True Grit 1969 (Henry Hathaway) 8/10 *
The Homesman 2014 (Tommy Lee Jones) 7-8/10
Shoot Out 1970 (Henry Hathaway) 7/10
The Gunfighter 1950 (Henry King) 8/10
Mystic River 2003 (Clint Eastwood) 8/10 *
The Tin Star 1957 (Anthony Mann) 7-8/10
Man of the West 1958 (Anthony Mann) 9/10 
Bend of the River 1952 (Anthony Mann) 8/10 *
The Far Country 1955 (Anthony Mann) 8-9/10 *
The Man from Laramie 1955 (Anthony Mann) 7/10
The Naked Spur 1953 (Anthony Mann) 10/10 *
The Furies 1950 (Anthony Mann) 8/10

 Mai

Gojira (Godzilla) 1954 (Ishirô Honda) 10/10
Shin Gojira (Shin Gozilla) (Kino) 2016 (Hideaki Anno & Shinji Higuchi) 8/10
Busanhaeng (Train to Busan) 2016 (Sang-Ho Yeon) 6-7/10
Gozu 2003 (Takashi Miike) 9/10
Zebraman 2004 (Takashi Miike) 7/10
Kairo (Pulse) 2001 (Kiyoshi Kurosawa) 8-9/10
Kôrei (Séance) 2000 (Kiyoshi Kurosawa) 9/10
Rofuto (Loft) 2005 (Kiyoshi Kurosawa) 6/10
Guardians of the Galaxy Vol. 2 (3D) (Kino) 2017 (James Gunn) 6-7/10
Get Out (Kino) 2017 (Jordan Peele) 9/10
Cure 1997 (Kiyoshi Kurosawa) 9/10
Sommarlek (Einen Sommer lang) 1951 (Ingmar Bergman) 7/10
En lektion i kärlek (Lektion in Liebe) 1954 (Ingmar Bergman) 6/10
Kurîpî (Creepy) 2016 (Kiyoshi Kurosawa) 7-8/10
Perfect Strangers 1984 (Larry Cohen) 8/10
God told me to 1976 (Larry Cohen) 9/10
The Ambulance 1990 (Larry Cohen) 7/10
The Stuff 1985 (Larry Cohen) 6-7/10
Bone 1972 (Larry Cohen) 8-9/10
Black Caesar 1973 (Larry Cohen) 9/10
Hell up in Harlem 1973 (Larry Cohen) 7/10
Prometheus (3D) 2012 (Ridley Scott) 5/10 *
Alien : Covenant (Kino) 2017 (Ridley Scott) 4/10
Aliens 1986 (Extended Cut) (James Cameron) 8-9/10 *
The Interpreter 2005 (Sidney Pollack) 5/10
The Weight of Water 2000 (Kathryn Bigelow) 4/10
The Loveless 1980 (Kathryn Bigelow) 6/10
Point Break 1991 (Kathryn Bigelow) 10/10 *




Sonntag, 21. Mai 2017

Bergman Frühwerk : Fängelse (Gefängnis) SE 1949

Filmregisseur Martin (Hasse Ekman) ist im Studio am Set zu seinem neuen Film. Er erhält unerwartet Besuch von seinem alten Mathematikprofessor Paul (Anders Henrikson). Beim Mittagessen erklärt Paul den Filmleuten den Anlass seines Besuchs. Er habe eine Idee für einen Film. Ein Film, der sich jeglicher Kategorisierung und moralischen Standpunkten entzieht. Ausgangssituation ist, dass der Teufel die Erde regiert und Gott tot oder abwesend ist aber alles seinen gewohnten Werdegang nimmt. Später erzählt Martin seinen Freunden Thomas (Birger Malmsten) und Sofi (Eva Henning) von der Filmidee des Professors. Thomas, der erfolglose Schriftsteller ist fasziniert von der Idee ein Filmskript über die Hölle auf Erden zu schreiben und zeigt Martin einen Artikel den er begonnen hat zu schreiben. Als Journalist begann er einen Artikel über Stockholms Nachtleben zu schreiben, den er aber wieder verwarf. Er suchte für Recherchen die junge Prostituierte Birgitta Carolina (Doris Svedlund) auf, die zusammen mit ihrer Schwester Linnea (Irma Christenson) und ihrem Verlobten Peter (Stig Olin), der gleichzeitig ihr Zuhälter ist, in einer kleinen Wohnung leben und versuchte sie über ihre Tätigkeit auszufragen, was in einer Rückblende zu sehen ist. Thomas erzählt Martin, dass dies genau die Hauptperson für seinen Film sei und dass ihr Verlobter ein wenig aussehe wie er selbst.
Eine Erzählerstimme aus dem Off erklärt, dass dies der Prolog für den folgenden Film „Fängelse“ gewesen sei, der nun beginnt. Die Erzählerstimme liest die Credits vor, während die Kamera durch eine Einkaufsstraße gleitet. Sechs Monate sind vergangen, seit dem Prolog. Birgitta Carolina ist schwanger und bricht auf der Treppe zu ihrer Wohnung zusammen. Das Kind kommt in ihrer Wohnung zur Welt und Peter und Linnea versuchen sie davon zu überzeugen das Baby in ihre Obhut zu geben, da die staatlichen Instanzen es ihr eh wegnehmen würden. Thomas und Sofi besuchen Martin am Filmset, wo Sofi Martin unter vier Augen erzählt, dass ihre Beziehung zu Thomas immer schwieriger wird. Am Abend in Thomas und Sofis Wohnung : Beide haben zu viel getrunken. Thomas setzt einen Abschiedsbrief für ihn und Sofi auf und versucht Sofi im Suff beizubringen warum sie sich umbringen sollten. Fassungslos über sein Verhalten schlägt Sofi Thomas mit einer Flasche nieder als er versucht sie zu erwürgen. Währenddessen sucht die Polizei nach Birgitta Carolina. Als sie nach Hause kommt und die zwei Polizisten sieht läuft sie weg und versteckt sich im Keller des Hauses, wird jedoch Minuten später dort von einem der Polizisten gefunden. Auf dem Revier ist auch Thomas, der behauptet er habe seine Frau ermordet. Die Polizei vernimmt Birgitta in Verdacht auf Prostitution. Ihr Verlobter Peter kann sie jedoch überzeugen, dass sie bei ihm im Geschäft arbeitet. Thomas nimmt einen Polizisten mit in seine Wohnung um ihm die Leiche von Sofi zu zeigen. Der Polizist findet keine Leiche stattdessen aber einen Brief von Sofi an Thomas in dem sie ihm schreibt, dass sie sich von ihm trennt. Draußen auf der Straße begenen Birgitta Carolina und Peter, Thomas, der dort in der Dunkelheit sitzt. Als Peter weggeht um ein Taxi zu rufen bittet Birgitta Thomas mit ihr abzuhauen. Thomas und Birgitta suchen ein Zimmer für die Nacht und kommen in einer Pension unter, in der Thomas früher gewohnt hat. Sie schlafen getrennt voneinander ein. Am nächsten Morgen will Birgitta gehen als Thomas noch schläft. Die Haushälterin bietet ihr Kaffee an. Am Tisch sitzt ihre Cousine Anna. Als sich zu der Runde der Liebhaber von Anna gesellt und dieser Brigitta erkennt, verläßt sie den Raum wieder. Sie belauscht das junge Pärchen und bekommt ein Gespräch mit wo es um Heirat und Kinder geht. Thomas ist mittlerweile erwacht und hat einen alten Cinematograph gefunden. Gemeinsam schauen sie sich einen kleinen Slapstick Film an, in dem ein Mann vom Teufel, dem Tod, einem Dieb und der Polizei in seinem Zimmer heimgesucht wird. Hier in diesem Zimmer verbringen die beiden eine kurze Zeit in der sie sich näher kommen. Eines Nachts hat Birgitta einen Traum, der sie durch eine starre Menschenmenge führt und am Ende sieht sie Peter, wie der ihr Kind tötet. Sie erzählt Thomas von dem Kind, dass ihr weggenommen wurde. Peter und Linnea erfahren aus der Zeitung, dass die Leiche des Kindes gefunden wurde. Sie beschließen Birgitta zu suchen weil sie Angst davor haben sie könnte der Polizei zu viel erzählen. Peter taucht in Thomas Wohnung auf und trifft dort auf Sofi und Martin. Er erzählt ihnen, dass Thomas krank sei und dass Sofi mit ihm sprechen sollte. Er erpresst sie indem er ihr erzählt, dass die Polizei sehr daran interessiert sei die Mutter des Kindes für den Mord verantwortlich zu machen und dass er nur seine Verlobte wiederhaben möchte. Sie suchen Thomas auf, der aber bei Birgitta Karolina bleiben möchte weil er in sie verliebt sei. Als Thomas nach ihr fragt ist Birgitta verschwunden und zu Peter, in ihr altes Leben, zurückgekehrt. Linnea erzählt Birgitta, dass das Baby zu töten einfacher war als eine Katze umzubringen. Als Peter sie fragt ob sie ihn liebe, klingelt es an der Tür. Es ist Thomas dem sie erklärt, dass sie bei Peter und Linnea bleiben werde. Niedergeschlagen treibt es Thomas raus in die Kälte. Bei Peter und Linnea kommt ein Stammkunde vorbei, der Birgitta schon früher misshandelt hat. Als sie sich ihm nicht fügen will drückt er seine Zigarette auf ihrem Arm aus. Des Nachts als Peter und Linnea schlafen geht Birgitta in den Keller und schneidet sich dort die Pulsadern auf. Sie stirbt einen langsamen Tod. Peter findet ihren Leichnam und trägt sie voller Schmerz die Stufen hinauf. Thomas kehrt zu Sofi zurück und fragt sie ob sie nochmal neu beginnen wollen. Sofi kümmert sich um ihn, sagt aber, dass sie Zeit brauche.
Zurück im Filmstudio erzählt ein Kollege Martin, dass Thomas zu Sofi zurückgekehrt ist und dass Birgitta sich umgebracht hat. Er fragt ihn ob aus ihrer Geschichte nun ein Film über die „Hölle auf Erden“ entstehen könnte. Als sein Mathematikprofessor sich dazugesellt und ihn auch die Frage stellt, verneint er diese. So ein Film würde mit einer Fangfrage über das Leben auf Erden enden, die unbeantwortet bleiben würde.


Fängelse ist der erste Film, den Bergman nach einer eigenen Idee und Vorlage inszenierte. Es ist auch der letzte Film, den er für den unabhängigen Produzenten Lorens Marmstedt inszenierte. Fängelse war ein finanzieller Mißerfolg. Wenn man sich den Film heute ansieht, verwundert das in der Tat nicht. Zu schwierig, zu düster und äußerst brutal ist das was uns hier präsentiert wird.
Anschließend zu den vorherigen Regiearbeiten Bergmans steckt in diesem Film auch wieder ein Sozialdrama, doch die Ausgangssituation ist diesmal eine andere. Fängelse ist ein kleines Meta-Spiel mit den Ebenen. Ein Film im Film, was erst einmal verwirrend ist, da die Ebenen in einander übergehen. Der Film beginnt mit einem Prolog im Filmstudio, der uns aber erst nach seiner Laufzeit als Prolog bekanntgegeben wird, als der Regisseur des Films, die Credits einliest. Die Stimme, die wir hören ist höchstwahrscheinlich die Ingmar Bergmans. Wir sehen keine Credits sondern nur eine Kamerafahrt und hören die Stimme des Erzählers, der die Credits vorliest. Dann beginnt der Film, in dem wir das, was im Prolog verhandelt wurde, als stilisierte Filmgeschichte erleben und endet mit einem Epilog, wieder im Filmstudio, in dem uns gesagt wird, dass dieser Film, den wir gerade gesehen haben, nicht realisierbar ist.
Im Prolog des Films erklärt Martins alter Professor, die Idee zu einem Film, in dem das Leben eine einzige Qual ist. Die Hölle auf Erden. Gott ist abwesend. Der Teufel regiert. In Auszügen erklärt er :
I would like you to make a film about hell. It should open with a proclamation by the devil himself : As i seize control over the nations and people here on earth, i wish to make the following decree : Everything will remain the same to keep you all from taking the easy way out. The atom bomb will be outlawed. The man who dropped the bomb on hiroshima will be put on trial and sentenced to death as the enemy of all mankind.
The sentimental and fearful can seek solace in religion. While the weary or indifferent can commit suicide.
God is dead, vanquished or whatever. You must admit that it´s easier to see things in that light. I guess i´m being a bit ironic. Life cuts a path like a cruel and sensual arc from cradle to the grave. A great laughing masterpiece. Simultaneously beautiful and hideous, without mercy or meaning. And then there´s the devil himself. He´s mostly a symbol or a figurehead. The devil reigns over this hell that is earth. Isn´t that a good idea for a film ?"
Der Dialog findet während einer Drehpause beim Mittagessen zwischen Martin, Paul und Schauspielern statt. Es ist einmal die Art von Szene, die Bergman später so ähnlich auch in Smultronstället inszeniert, als die Anhalter über philosophische und theologische Themen debattieren, aber auch eine Welt, die hier beschrieben wird, wie er sie in vielen folgenden Filmen zeigen wird. Die Abwesenheit Gottes. Hier als Idee zu einem Film.
Der eigentliche Film wird dann in der nächsten Szene, während des Prologs, geboren, als Thomas Martin von seinen Recherchen über Birgitta Carolina berichtet. Thomas ist dabei genau die suchende und vom Leben verzweifelte Figur, wie Bergman sie ab Ende der 50er Jahre in so vielen Filmen zeigen wird. Die Szene als er versucht seine Frau Sofi, im Suff, zu erwürgen, spricht dafür Bände. Am hellichten Tag sieht er aus dem Fenster heraus spielenden Kindern zu und ist angewidert von jeder Form des Lebens. Er versucht Sofi davon zu überzeugen, dass der Tod der einfache Ausweg aus dieser Hölle ist.
Birgitta Carolinas Geschichte steht für das Leiden und für die Hölle, die Thomas durchschreitet, sowie für die eingehende These des Mathematikprofessors Paul.
Eine brutale Leidensgeschichte, par excellence, wird hier erzählt. Eine minderjährige Prostituierte zerbricht an der Welt, die sich gegen sie stellt. Ihr Kind wird ihr genommen und umgebracht. Die Flucht aus ihrer Situation, treibt sie nur wieder in die Abhängigkeit von Peter, ihrem Zuhälter. Der einzige Ausweg für sie ist der Tod.
Bergman zeigt diese Leidensgeschichte so naturalistisch und drastisch, wie es ihm zu der Zeit möglich gewesen ist, verfremdet sie aber auch stilistisch, so dass sie immer auch bewußt als Film wahrgenommen wird. Besonders in den Traumszenen ist das Licht und Schattenspiel äußerst expressiv. Aber auch in der Ausleuchtung Birgittas ist ganz klar die Filmillusion im Vordergrund.
Im Kontrast zum „wirklichen“ Leben, was innerhalb von Fängelse ja auch nur eine Filmebene ist, zeigt Bergman den Regisseur Martin, der definitiv als Alter Ego herhalten kann, bei der Arbeit im Studio :
Was insofern interessant ist, da nach dieser Szene der Streit zwischen Thomas und Sofi gezeigt wird. Bergmans Meta-Spiel mit den Ebenenen nimmt hier das Ende von Thomas und Sofis Beziehung vorweg. Als Film. Thomas, der mit Sofi bei den Dreharbeiten anwesend ist, fragt Martin danach „Who wrote that trash“ ? Worauf Martin antwortet :“I did“.
In einer anderen Szene, nachdem Birgitta Thomas weggeschickt hat, sieht er draußen in der Kälte ein Filmplakat :
  Das Filmplakat ist zugeklebt mit einem anderen Plakat. Fast so als ob die eine Realität die andere fragen würde bzw. Bezug auf die andere nimmt.
Als Birgitta und Thomas sich in der Pension, wo Thomas in seiner Jugend gewohnt hat, ein Zimmer nehmen, ist diese Szene besonders durch die Szene mit dem Kinematographen ein Blick in Bergmans Kindheit. Einmal dadurch, dass Bergman in seiner Kindheit solche kleinen Slapstick Filme geliebt hat, dann ist diese Szene aber auch ein Verweis auf die filmische Reflexion von Fängelse, die dritte Filmebene. Ein kleiner Slapstick in dem der Teufel und der Tod auf lustige Art einen Mann in die Wand springen lassen.
Der Film taucht viele Jahre später nochmal in Bergmans Schaffen auf. Als Teil des Prologs und der Inserts bei „Persona“, dem wohl ultimativen Film, der über sich selbst nachdenkt. Was Fängelse angeht, so ist dieser Film im Film eines Filmes vielleicht auch das Quadrat aus dem ein Ausbruch möglich ist. Nur in der Illusion des Kinos können wir aus diesem Gefängnis fliehen. 
Birgitta erzählt Thomas von einem Traum, den sie hatte, in dem sie einen Stein geschenkt bekommt, der wie sie sagt, das schönste Geschenk ihres Lebens ist, etwas das man wertschätzt. Später träumt sie diesen Traum weiter und er verwandelt sich in einen Alptraum, da die Mitschuld am Tod ihres Kindes tief in ihr lastet. Bergman findet für diesen Traum expressionistische Bilder und filmt später den Selbstmord Birgittas auf ähnliche Weise : 
Im Epilog stellt Paul dem Regisseur Martin die Frage ob der Film realisiert werden könnte und Martin antwortet, dass so ein Film nicht machbar wäre, da er mit einer Fangfrage an das Leben im Allgemeinen enden würde und das niemand da wäre, dem er diese Frage stellen könnte. Worauf ihn Paul fragt ob er an Gott glauben würde, was Martin verneint, denn das wäre ein zu einfacher Ausweg.

Fängelse sticht aus dem Frühwerk Bergmans schon deshalb heraus weil Bergman hier ganz kompromisslos seine Vision verfilmt. Vielleicht gehe ich damit zu weit ihn als Schlüsselfilm zu bezeichnen aber als „Missing Link“ ist er definitiv essentiell ! Obwohl das Spiel mit den Realitätsebenen nicht ganz aufgeht und viele Szenen symbolisch überhöht wirken und die Charaktere die Komplexität der späteren Werke oftmals nur streifen ist der Film wegen seiner drastischen Offenheit packend und besonders als Bindeglied zu den späteren Filmen unerlässlich.Besonders als Meta-Film ist er vor allem eins : Hochinteressant und wie einige Werke aus seinem Schaffen der 40er Jahre definitiv unterbewertet. 
In Törst seinem nächsten Film wird er seine expressiven Bilder, psychischer Welten fortführen. Mit Törst begann vor 4 Jahren auch unsere Bergman Reise. Fängelse gefällt mir jedenfalls um einiges besser.
8/10

Samstag, 1. April 2017

März 2017 Alle Filme

Der letzte Monat begann mit einer kleinen Diskussion, die ich mit einem Freund über das Für und Wider von Zahlenbewertungen, führte. Näher ging es darum, wie man vollkommen unterschiedliche Filme mit einer identischen Bewertung nebeneinander stellen kann und somit ins Verhältnis setzt und welche Kriterien da greifen.
Schwer zu vermitteln ist das natürlich, innerhalb einer Liste zu sagen, dass die Filme im Verhältnis zueinander eher selten stehen, da es natürlich in dieser Form anders aussieht. Es ist eben im Grunde nichts anderes als die Blog Form meines Filmtagebuchs, welches ich bei letterboxd führe. Im Grunde nur eine Art Wegweiser, der mich aber auch immer wieder zum Stolpern bringt. In dem ich aber auch versuche jeglichen Unterschied zwischen U & E zu vermeiden.
Manche Bewertungen sind tatsächlich ziemlich schwierig, wie zb. die Bewertung der Hitchcock Filme, die ich letzten Monat sah. Manche Bewertungen ändern sich, wie zb. "Rebel without a cause", der sonst immer eine 10/10 Bewertung hatte, diesmal aber aufgrund einiger weniger Kritikpunkte einen Schritt zurück gemacht hat. Andere Filme sind vielleicht zu hoch bewertet, wie zb. "28 Days later", der aufgrund der zweiten Hälfte eigentlich eine 7-8/10 bekommen müßte.
Aber um genau das festzuhalten ist ja so eine Filmtagebuch auch gut.
Kurze Reviews zu einzelnen Filmen wie immer bei letterboxd
 
10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, großartig, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 ok, mit Momenten
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
(Kino) = im Kino gesehen
(short) = Kurzfilm

Häxan 1922 (Benjamin Christensen) 10/10 *
Dödskyssen (Der Todeskuss) 1916 (Victor Sjöström) (Fragment)
Körkarlen (Der Fuhrmann des Todes) 1921 (Victor Sjöström) 9/10
Silence (Kino) 2016 (Martin Scorsese) 8/10
Hamnstad (Hafenstadt) 1948 (Ingmar Bergman) 8/10 *
Till Glädje (An die Freude) 1950 (Ingmar Bergman) 5/10
Der müde Tod 1921 (Fritz Lang) 8/10
Das wandernde Bild 1920 (Fritz Lang) 8/10
Secret beyond the door 1947 (Fritz Lang) 7/10
4 mosche di velluto grigio (4 Fliegen auf grauem Samt) 1971 (Dario Argento) 7/10
Il gatto a nove code (Die neunschwänzige Katze) 1971 (Dario Argento) 6/10
Opera 1987 (Dario Argento) 9/10 *
Gaslight 1944 (George Cukor) 10/10
Kong : Skull Island (Kino) 2017 (Jordan Vogt-Roberts) 3/10
King Kong 1933 (Merian C. Cooper & Ernest B. Schoedsack) 9/10 *
Cobra Woman 1944 (Robert Siodmak) 6/10
Leave her to Heaven 1945 (John M. Stahl) 10/10
Steve Jobs 2015 (Danny Boyle) 4/10
Criss Cross 1949 (Robert Siodmak) 8/10
Rebel without a cause 1955 (Nicholas Ray) 9/10 *
The Underneath 1995 (Steven Soderbergh) 3/10
The Truth about Charlie 2002 (Jonathan Demme) 6-7/10
The Lodger 1927 (Alfred Hitchcock) 9/10
Downhill 1927 (Alfred Hitchcock) 6/10
Blackmail (sound) 1929 (Alfred Hitchcock) 8/10
The 39 Steps 1935 (Alfred Hitchcock) 8-9/10
Secret Agent 1936 (Alfred Hitchcock) 8/10
Sabotage 1936 (Alfred Hitchcock) 7-8/10
Hitchcock/Truffaut 2015 (Kent Jones) 6/10
A Matter of Life and Death 1946 (Michael Powell & Emeric Pressburger) 10/10
Little Men (Kino) 2016 (Ira Sachs) 6-7/10
Vacuuming completely nude in paradise 2001 (Danny Boyle) 5/10
Trainspotting 1996 (Danny Boyle) 8/10 *
Slumdog Millionaire 2008 (Danny Boyle) 7/10 *
28 Days later 2002 (Danny Boyle) 8/10 *
Treffer 1984 (Dominik Graf) 7/10
T2 : Trainspotting (Kino) 2017 (Danny Boyle) 5/10
Dealer 1999 (Thomas Arslan) 6-7/10
Jimmy Orpheus (Kino) 1966 (Roland Klick) 7/10
Heiligabend auf St. Pauli (Kino) 1968 (Klaus Wildenhahn) 6/10
Supermarkt 1974 (Roland Klick) 8/10

Sonntag, 19. März 2017

Bergman Frühwerk : Hamnstad (Hafenstadt) SE 1948


Matrose Gösta (Bengt Eklund) kommt nach 8 Jahren auf See, wieder in seine Heimat Göteborg. Im Hafen wird er Zeuge eines Vorfalls und sieht wie sich ein junges Mädchen (Nine-Christine Jönsson) im Hafenbecken ertränken will. Sie wird gerettet. Er sucht seinen Freund Skåningen (Harry Ahlin) auf, bei dem er wohnen kann und der ihm am darauffolgenden Tag Arbeit im Hafen verschafft. Abends überredet Skåningen Gösta mit in ein Tanzlokal zu kommen. Dort begegnet er Berit (Nine-Christine Jönsson) wieder, die sich umbringen wollte. Kurz bevor sie das Lokal verlassen, trifft Berit auf Gertrud (Mimi Nelson), die sie von früher kennt, mit der sie aber nichts mehr zu tun haben möchte. Sie gehen zu Berits Wohnung, wo sie zusammen mit ihrer Mutter (Berta Hall) wohnt. Berits kühle, reservierte Art wirkt auf Gösta anziehend und sie verbringen die Nacht miteinander. Am nächsten Morgen verabreden sie sich für Mittwochabend, kurz darauf kommt Berits Mutter in die Wohnung und wundert sich, dass Berit noch nicht in der Fabrik bei der Arbeit ist. Ihre Mutter fängt an sie wegen der letzten Nacht auszufragen und es kommt zum Streit. Sie droht damit die Sozialarbeiterin Fr. Vilander (Birgitta Valberg) anzurufen, worauf Berit Panik bekommt, dass ihre Mutter sie wieder ins Erziehungsheim schicken könnte. In der Fabrik wird Berit plötzlich zum Chefingenieur (Hans Strååt) gerufen, der der Bruder von Frau Vilander ist, die Berit in seinem Büro erwartet. Auf dem Weg dorthin macht ihr Kollege (Yngve Nordwall) ihr sexuelle Avancen. Nachdem Berit im Büro ihrer Verzweiflung Ausdruck verleiht, versucht ihr der Chefingenieur Bengt eine Chance auf eine andere Arbeit zu geben. Seine Schwester meint danach, unter vier Augen, ihm die aussichtslose und schwierige Situation, in der sich Berit befindet, zu erklären. Am Mittwoch reagiert Gösta lustlos auf die Fragen seiner Freunde ob er Berit ausführen wolle. Berit, die sich schon zum Ausgehen fertig gemacht hat, wartet auf Gösta, der sich aber nicht meldet. Es kommt zum Streit zwischen ihr und ihrer Mutter, die verhindern will, dass Berit sich mit Gösta trifft. Als ihre Mutter gegangen ist, schweifen ihre Gedanken zurück in ihre Kindheit als sich ihr Vater (Nils Dahlgren), der an einer Nervenkrankheit leidet und ihre Mutter streiten. Berit fährt allein zum Kino und trifft im Bus auf Gösta. Als sie ihn fragt, warum er nicht gekommen sei, hat er keine Antwort darauf. Sie schauen sich einen schwedischen Slapstick an. Nach dem Film treffen sie auf der Straße ihren Kollegen, der zusammen mit anderen Männern anfängt Berit zu belästigen. Gösta fordert die Männer heraus und es kommt in einem Lagerraum zur Schlägerei, bei der Gösta den Kürzeren zieht. Am nächsten Tag, in der Fabrik, ohrfeigt Berit ihren Kollegen. Gösta und Berit mieten sich über das Wochenende in einem schicken Hotel auf dem Land ein. Dort trifft sie auf Gertrud, die dort arbeitet. Sie bittet Gertrud nichts aus ihrer Vergangenheit zu erzählen. Gertrud erzählt ihr, dass sie schwanger ist und es bei Frau Krona (Sif Ruud), illegal abtreiben will. Das Geld dafür leiht sie sich bei Berit. Abends im Hotelzimmer erzählt sie Gösta von ihrer Vergangenheit und wie sie ins Erziehungsheim geschickt wurde. Als ihr Vater wegen einer Nervenkrankheit zu Hause bleiben muß, wird die Beziehung zwischen ihren Eltern immer schlimmer. Berit kommt immer seltener und immer später nach Haus. Als ihre Mutter sie eines Abends nicht in die Wohnung läßt, lernt sie Thomas (Stig Olin) kennen, mit dem sie fortan zusammen lebt. Doch ihre Mutter findet heraus, wo sie steckt und bittet um Vormundschaftshilfe, worauf Berit unter Jugendschutz gestellt wird und in eine Erziehungsanstalt eingewiesen wird. Sie erzählt von der Zeit im Erziehungsheim und wie Gertrud den Mädchen Parfum, Zigaretten und Seidenunterwäsche besorgt. Nach 14 Monaten wird sie zu einer Frau gebracht, die Berit für sie arbeiten läßt. Der Sohn dieser Frau verliebt sich in Berit, was aber seiner Mutter missfällt. Berit läuft weg, wird gefasst und kommt für 2 Jahre in ein anderes Erziehungsheim.Danach fängt sie in der Fabrik an und lernt Gunnar kennen, der sie mit zu seinen Eltern nimmt, wo sie sich zuerst gut aufgehoben fühlt, doch er klärt seine Eltern nicht über Berits Vergangenheit auf und so endet diese Beziehung mit Berits Selbstmorversuch im Hafenbecken. Gösta wird zuerst eifersüchtig und kommt nicht mit der Geschichte klar, die Berit ihm erzählt. Sein Freund Skåningen ermutigt ihn jedoch an der Beziehung festzuhalten. Als sie wieder zusammen sind, treffen sie in Berits Wohnung auf ihre Mutter, die versucht Gösta über Berit aufzuklären und ihn zweifeln läßt. Berit erhält einen Anruf von Gertrud, die ihre Hilfe braucht. Sie holt Gertrud bei Frau Kroner ab, die sie gerade behandelt hat. Sie bringt die völlig erschöpfte Gertrud zu Gösta. Doch bis der Krankenwagen kommt, stirbt Gertrud an den Folgen des Eingriffs. Gösta betrinkt sich daraufhin im Zimmer einer Prostituierten (Britta Billsten), wo er in seinem Wahn versinkt und ausagiert. Berit wird von der Polizei, ihrer Mutter und Frau Vilander vernommen. Sie soll den Namen der Frau verraten, die die Abtreibung vorgenommen hat. Berit weigert sich bis zuletzt. Erst als man ihr mit Gefängnis droht, verrät sie den Namen, da ihre Angst zu groß ist. Als sie zu ihrer Wohnung kommt, trifft sie auf Gösta, der sich für sein Verhalten entschuldigt. Er schlägt ihr vor mit einem Boot gemeinsam das Land zu verlassen. Gemeinsam mit seinem Freund Skåningen bitten sie einen englischen Kapitätn, sie mitzunehmen. Doch sie entscheiden sich zu guter Letzt dagegen und versuchen ihre Zukunft gemeinsam in der Stadt zu suchen.

Nach der Lorens Malmstädt Produktion Musik i mörker, bot Svensk Filmindustri Ingmar Bergman die Möglichkeit ein Manuskript von Olle Länsberg zu verfilmen. Bergman überarbeitete das Skript Guldet och murarna (Gold und Mauern) und arbeitete hier zum ersten Mal mit Kameramann Gunnar Fischer, der bis auf wenige Ausnahmen sein Stammkameramann bis Anfang der 60er Jahre bleiben wird. 

Hamnstad fügt sich ersteinmal in die Reihe von Filmen aus dem Frühwerk, die ein junges Paar, welches gegen die unmenschliche Gesellschaft aufbegehrt, in den Vordergrund rückt. Mit der Ausnahme, dass hier der Fokus ganz unbedingt auf die Figur der jungen Berit, durchdringend gespielt von Nine-Christine Jönsson, gelegt wird. 
Andreas nennt Hamnstad den ersten, formvollendeten, richtig ausgereiften Bergman Film und da bin ich auch ganz bei ihm. Vor allem ist Hamnstad der erste richtige "Frauen-Film" von Bergman
Berit ist eine voll reflektierende, wahrhaftige junge Frau, die mit ihren Gefühlen ganz bei sich ist und ihre Stärke ständig geprüft wird, woran sie fast zerbricht. 
Daneben Gösta. Nach außen hin stark und maskulin, nach innen aber tief verunsichert und unentschlossen, leidet er permanent an dem Druck seine Maskulinität ausspielen zu müssen. 

Diese Unsicherheit oder besser noch Unetschlossenheit wird sehr schön in einer Dialog Szene mit ihm und seinem Freund Skåningen, der in der deutschen Synchronfassung "Schoner" heißt, veranschaulicht : 

Gösta : "Interessierst du dich gar nicht für Bücher ?" 
Skåningen : "Früher einmal. Vaters Bruder war Schullehrer und hatte ne Masse Bücher. In deinem Alter fühlt man sich leicht einsam. Man fährt zur See, man sieht die ganze Welt und glaubt trotzdem, dass man das Wichtigste versäumt. Tja, da gibt man das Lesen auf und fängt mit dem Saufen an. Die Bücher machen alles nur noch schlimmer. Aber, lies nur."  

Als Gösta dann Berit kennenlernt ist er einerseits der Typ, der sie sofort verführt und nach dem Sex eigentlich gleich gehen will aber innerlich dabei ständig mit seinen Gefühlen kämpft und dabei gegen sein eigenes Rollenbild ankämpft. Gösta verbirgt von Beginn an seine Gefühle und später auch die Zweifel, die er hat. Er ist total gefangen in diesem maskulinen Bild von sich und seiner Rolle. Als Berit sich ihm im Hotel ganz und gar öffnet, sich ihm anvertraut, ist Gösta total überfordert damit und sieht sich zuerst in seiner Männlichkeit gekränkt. Dieses Rollenbild bekommt im Laufe der Geschichte immer mehr Risse und eskaliert nach der Abtreibung von Gertruds Kind, vollkommen. Ein Werdegang, der zum Schluß in dieser expressiv, expressionistischen Szene kulminiert :
  

Wir sehen, wie sich ein Mann in seinem Wahn überwindet und neu gebiert. Heraus kommt ein Mensch. Ein Mensch, der zu sich steht, mit Gefühlen, dem die Gesellschaft egal ist. 

Eine Gesellschaft, die in ganz einfachen, kurzen Szenen, kompromisslos, deutlich, klar gezeigt wird, wie gandenlos diese ist. Er zeigt die gesamte Repression, wie Opfer der Gesellschaft kriminalisiert werden und verwebt dies mit der Kindheit. Wo man genau sieht, wie etwas weitergegeben wird. Von der Mutter an die Tochter. Mit jener perfiden Doppelmoral, in der die Mutter ihre ganzen Probleme auf die Tochter ablädt, dies dann zuschnürt, in dem sie sich selbstbemitleidet. Dieser Mutter geht es allein darum ihre Tochter zu zerstören, um ihres eigenen Selbstmitleids willen. 
Man sieht in dieser narzisstischen Mutter Figur sofort einen Prototyp, der in seiner abgründig, nüchternen Inszenierung sofort an die großen Mutter/Tochter Szenarien der späteren Jahre erinnert. 

Berit ist in vielerlei Hinsicht schon genau der Typ von "Bergman-Frau", die wir in so vielen späteren Filmen als Opfer ihrer Umstände und Umwelt sehen werden. Voll reflektierend und offen in ihren Gefühlen, ist es auch die Inszenierung, die immer wieder ihr Gesicht in Großaufnahme, mit dem Blick in die Vergangenheit zeigt : 

 Überhaupt ist dies ein Film, der zum ersten Mal, die für Bergman so berühmten Großaufnahmen zeigt. Der studierende Blick auf Gesichter, die erkundet werden und oft die gesamte Leinwand einnehmen : 
 (Gertrud, kurz nach der Abtreibung) 
(ein Bild aus der Vergangenheit in der Erziehungsanstalt)
(Bilder, präzise, offen, wie kleine Gemälde aus der Vergangenheit)

Hamnstad ist ein gesellschaftskritischer Film in dem eine junge Frau von ihrem gesamten Umfeld im Stich gelassen wird und der zeigt wie die staatliche Fürsorge nicht darauf aus ist einem Menschen zu helfen sondern nur dazu da ist ihn zu kriminalisieren und wegzudrücken. Ein Film, der ebenso deutlich die sexuelle Ausbeutung der Frau in einer christlich, konservativen Gesellschaft behandelt. 

Man könnte vielleicht einwenden, dass auf Seiten der staatlichen Fürsorge eine Figur, wie die der Frau Vilander, zu schematisch gezeichnet ist, doch ist sie im Grunde auch nur ein Rädchen im Getriebe, wo der Hauptaugenmerk des Films ganz klar auf Berit, ihre Vergangenheit, die Mutter-Tochter Beziehung und natürlich die Beziehung zu Gösta, gelegt ist.

Aus dem Frühwerk ragt Hamnstad schon deshalb heraus, weil sich hier, noch mehr als in den ersten Filmen, eine eigene Handschrift etabliert, die, auch wenn der Film sich stilistisch an den Neorealismus anlehnt, schon stark die Filme der 50er erahnen läßt und Inhalt und Form immer näher zusammen bringt. 

8/10